Man hatte gemäß den Anweisungen der Yathtallar im Keller einen Raum in den massiven Fels gehauen, auf dem das Haus stand. Er maß gerade einmal drei auf drei Schritt und hatte außer der Tür, die aus massivem Holz war keinerlei Öffnungen. Die Tür war gut zehn Zentimeter dick und ein durchtrainierter Sargtlin hatte erhebliche Mühe diese Tür aufzumachen. Im Raum selbst befanden sich keinerlei Möbel. Die Wände waren feucht und ein wenig Stroh bedeckte den nackten Felsboden. Auf der einen Seite des Raumes, die Wand zur rechten, wenn man ihn betrat, zierte ein kunstvolles Relief die Wand. Es war ein Abbild der Spinnenkönigin. Erfurchtseinflößend und erschreckend zugleich. An der ihr gegenüberliegenden Wand waren Ringe in den Fels eingeschlagen: Zwei kurz unter der Decke, etwa zweieinhalb Meter über dem Boden, dann auf Augenhöhe, sowie nochmal kurz über dem Boden. An der Seite lagen Ketten, die scheinbar noch nie benutzt wurden. Sie waren massiv und glänzten silbrig. Es waren je ein paar Hand und Fußfesseln, sowie eine Halsfessel, die durch einen Drehmechanismus gnadenlos eng gestellt werden konnte. Das alles schien, als ob dieser Raum auf eine ganz bestimmte Person warete.
Verließ man den Raum, so bog man zunächst um eine Ecke, und ging einen langen Flur entlang, bevor man auf die einzige treppe nach oben stieß. Von diesem Korridor gingen mehrere Türen ab. Sie alle waren dicke schwere Holztüren, aber edel verziert.
Hinter der ersten, die der zelle am nächsten war, befand sich ein Raum, recht groß im Vergleich zu der Zelle, etwa zwölf Schritt lang und sechs Schritt breit. Am Kopfende, direkt der Tür gegenüber stand eine Art Thron, reich mit Spinnenornamenten verziert. In der Mitte des Raumes befand sich ein Pfosten, der am oberen Ende, direkt unter der Decke mehrere Ringe besaß.An der einen langen Raumseite, wo jeden Meter ein Kerzenleuchter stand, an dem sich unzählige silberne Spinnen aus edelstem Metall tummelten, stand ein schwarzer Marmortisch. Auf ihm lagen dutzende Peitschen und eine Unmenge von Fesseln aus Ketten. Auf der anderen langen Wand war wieder das Abbild der Göttin in den Fels gehauen. Das Bild zeigte Lloth, wie sie triumphierend die Welt einnahm. Es war klar, wozu dieser Raum benutzt werden sollte. Selbst die Arbeiter, die ihn fertigstellten, waren geschockt, als sie sich die Herrin auf dem Thron vorstellte, die sich an dem Leid der Deliquenten erfreute.
Direkt einen Raum weiter befand sich ein kleiner Lagerraum. Raumhohe Regale waren gefüllt mit den unterschiedlichsten Substanzen und Büchern.
Die nächste Tür führte zu einem sehr großen Raum, etwa zwanzig mal zwanzig Schritt. Er war sehr prächtig und im vorderen Bereich wurde die decke von vier Marmorsäulen gestützt. Danach ging man zwei Stufen hoch und betrat einen Altarbereich. Der Altar selbst bestand aus poliertem weißen Marmor, in welchem Ringe eingelassen waren, an denen die Opfer fixiert werden konnten. Über dem Altar hing eine rießige Spinne von der Decke. Hinter dem Opferaltar stand wieder ein ähnlicher Thron wie im Folterzimmer zuvor. Es war ein kleiner Tempel zu ehren der Spinnenkönigin.
Gegenüber des Tempels waren die Arbeiter mit den letzten Handgriffen für den Aufenthaltsraum der Wache, sowie einem kleinen Separee für besondere "Behandlungen" beschäftigt. Massive Möbel standen im Wachraum, an der Wand befand sich ein Regal für Waffen und ein kleineres für weitere Folterutensilien. Auch lagen hier die Schlüssel für die einzelnen Räume. Im Gegensatz zu den anderen Räumen war hier nicht viel von Luxus zu sehen oder zu spüren. Lediglich ein Banner mit dem Haussymbol das Quellar Arab'Ghym zierte die Wand.
In dem kleinen Separee war gerade einer der Arbeiter damit beschäftigt, die Wanne aus feinem Marmor zu polieren. Der Raum war über und über mit Spinnen aus Silber und Gold verziert. Neben der Wanne, die in den Felsboden eingelassen war, gab es noch einen kunstvoll gearbeiteten Stuhl. Nicht ganz so imposant wie die beiden Throne, aber dennoch edel. An der Wand hing ein Scimitar, schmale sehr scharfe und tödliche Klinge, deren Griff mit rotem Samt umwickelt war. Der Knauf zierte ein dunkler Rubin und die Parierstange war eine Spinne. Ansonsten fand man auch in diesem Raum wieder Ringe in den Wänden, die einem Gelegenheit boten, Gefangene oder Sklaven anzuketten.
Einer der Arbeiter sah auf und sprach zu seinem Kollegen:"Wenn ich mir das hier ansehe... Mit Schönheit gepaarte Grausamkeit. Ich hoffe inständig,dass ich diese Räumlichkeiten nie wieder sehen muss." Der andere meinte :"Wie recht du hast. Doch unsere Herrin befiehlt es. Und es ist diesem Volke mehr als würdig. Es ist ihre Art und wenn sie uns von denen befreien, die uns Schaden zufügen, soll es mir recht sein, wenn sie die Verbrecher foltern und Spaß daran haben..." "Vielleicht hast du recht." "Das habe ich. Und nun arbeite lieber weiter, bevor dich jemand reden hört..."
Jhan'afay kam mit zwei Sargtlinen flankiert die Treppe hinunter. Man hatte sie mit der Aufsicht und der Kontrolle der Arbeiten beschäftigt. Ein Auftrag, der ihr zunächst zuwider war, als sie dann aber hörte, was dort errichtet werden sollte, was sie amüsiert. Zu gern würde sie selbst ihre Künste in dieser Richtung verfeinern. Sie hatte den Auftrag von der Yathtallar selbst erhalten und sie würde auch darum bitten, an der Seite ihrer Herrin hier zu dienen. Sie wusste, dass sie nützlich sein könnte. Noch immer fragte sich Jhan'afay, ob es einen besonderen Anlass für diese Baumaßnahmen gab. Immerhin sah es aus, als ob alles bereitgelegt wurde. Sie würde Lloth und Ry'Kah - die für Jhan'afay schon immer die wahre Herrscherin in Sel Tac'Zil war - dienen. Sie sah Ry'Kah als Ilharess an. Und für dieses Halbblut hatte sie nur oberflächlich etwas übrig. Eigentlich war es eine Schande, dass so etwas unreines in Sel Tac'Zil herrschte. Eher sollte der Bastard im Staube vor Jhan'afay... Sie verdrängte diese Gedanken als sie die Wachstube betraten. Zu den beiden Sargtlinen sagte sie :"Ihr bleibt hier. Ab sofort haben wir hier Dienst, also sorgt für etwas zu trinken." Die Sargtline nickten eifrig und Jhan'afay machte sich auf zu einer "Besichtigungstour".
Jhan'afay betrachtete erst die Zelle und strich über den feuchten Felsen. Es gab hier keine Möbel, nur einen kleinen Felsvorsprung, den man als "Lager" brauchen konnte. Sie überprüfte die Ringe in der Wand, hielt sich an einem fest. Dann die Ketten. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie sie hochnahm. "Die malla Ilharess hat Geschmack..."
Jhan'afay schien zufrieden. Auch wenn sie es nie zugeben würde, so war sie doch von den Arbeiten der Rivvin an diesem Raum beeindruckt. Schlicht aber effektiv. Sie ging weiter und betrat den Folterraum. Noch wirkte alles so sauber, fast schon unschuldig. Über dem Thron am Kopfende des Raumes stand ein Sprichwort der Drow in den Fels gehauen : "Jiv'elgg lueth jiv'undus phuul jiviin.*" Es war uralt und hätte wohl an keinem besseren Ort gepasst. Wie sehr bedauerte es die junge Sargtlin, dass sie nicht selbst dort Platz nehmen würde. Doch sie würde oft genug dabei sein. Ein widerliches Grinsen machte sich in ihrem Gesicht breit, als sie daran dachte.
Schritte näherten sich, recht leise und zügig. Eine Frau bog um die Ecke und blickte sich etwas unsicher um. Sie schien etwas zu tragen, denn ihre Arme waren verschränkt. "Hallo?"
Jhan'afay kam aus dem Raum geschossen und sie hielt nur knapp vor der anderen an, so dass ihre Nasenspitzen kaum zwei Finger breit auseinander waren. "Vel'bol zhah?" fauchte Jhan'afay, die es gewohnt war, Befehle zu geben.
Jhan'afay hatte etwas in den Augen, dass so manchen der anderen Angst machte. Sie war wegen ihrem Sadismus gefürchtet und die, die unter ihr dienten, würden ihr nie wiedersprechen.
"Bwael," sie musterte die andere Drow. "Es scheinen Schmuckstücke für die Wand in der Folterkammer zu sein. Die malla Ilharess hat einen sehr exquisiten Geschmack. Folg mir!" Jhan'afay drehte sich um und führte die Drow in die Folterkammer.
Nil'Affay lief der Anderen hinterher, besah sich die Umgebung. Die junge Drow wirkte unscheinbar und ruhig, jedoch hatte sie ein Glitzern in den Augen, das kaum einer deuten konnte. Ihre betont ruhige Art schien meißt die Oberhand zu haben und das machte sie aus. Nil'Affay liebte den Hinterhalt, wer sie kannte wusste das. Ihr langes Kleid war aus einem eigentümlichen schwarzen Stoff und machte Geräusche beim laufen, es schimmerte matt und schien an manchen Stellen wie eine zweite Haut.
Im Gegensatz zu Jhan'afay, die durch und durch Kriegerin war. Sie liebte das Töten, aber auf ihre Art und Weise.
Sie lehnte sich an den dunklen Tisch und spielte gedankenverloren an den Peitschen. "Häng den Schmuck auf, aber denke dran, es muss IHR gefallen..." Ein hämisches Grinsen schloss sich den Worten an.
Nickend machte sie sich daran, die Dinge an der Wand zu befestigen. Stumm trat sie zurück und betrachtete es, ging wieder darauf zu und änderte etwas, um es erneut zu betrachten. An ihrem Gürtel hingen einige Beutelchen, ein Täschchen mit Flaschen und eine kleine längliche Tasche die aussauh als würde sie Stifte oder ähnlich geformtes enthalten.
Jhan'afay lachte leise und schüttelte den Kopf. Für ein Weibchen schien sie ihr zu erbärmlich. "Ich hab dich zwar schon mal gesehen, aber wer bist du?"