Ry'Kahs Worte trafen. Ja, sicher sie wusste das. Aber die deutliche Formulierung tat dennoch weh. "Ich stehe immer einen Schritt unter dir und deinen Nachkommen. Immer! Das weißt du. Sie hat es deutlich gemacht. Doch sieht sie... siehst du nicht, was aus mir werden könnte?" Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht. "Sie wird mich nie so annehmen, wie jemanden reines Blutes... und du weißt das."
Yaru ging wieder in Richtung Fenster. Sie schüttelte den Kopf leicht und verschrängte wieder im Rücken die Arme. "niemand weiß was die Götter vorhaben....niemand" sagte sie sehr leise, mehr für sich als für andere Ohren. sie hing wieder dem gedanken nach, warum sie das Spiel eben beendet hatte, warum sie das gesagt hat, was sie gesagt hatte.
"Na, welche Möglichkeiten haben wir denn? Als Herrscherin will sie mich nicht, als Opfer scheinbar auch nicht. Als Sklavin, Soldat?" kam es reichlich sarkastisch von Tha'Risha. Sie hasste es abgrundtief. "Wer außer dir, kann mir eine Antwort geben?"
Sie sah Ry'Kah nur ausdruckslos an. Tha'Risha wandte sich zur Tür. Sie brauchte dringend frische Luft, ganz dringend. Sie hatte die Hand schon auf der Türklinke, als sie sich noch einmal zu Ry'Kah umdrehte :"Darf ich mal bitte raus?" Schnell schob sie noch ein "Dalninil" nach.
Ry'Kah entließ sie mit einer schlichten Geste. Als Tha'Risha den Raum verlassen hatte, stützte die Priesterin den Kopf in die Hände und sagte leise: "Was soll ich ihr noch sagen?" es war eher ein gesprochener Gedanke, als dass sie eine Antwort erwarten würde.
"Sie ...." Yaru versuchte die Rechten Worte zu finden. ""...sie zerbricht dir unter den Fingern RyKah. Sie sucht halt und etwas andem sie sich Festhalten kann...und in Lloths Welt ist da nicht viel das ihr diesen Halt gibt. Zumindest kann sie es nicht sehen und solange sie diese Platz nicht kennt, wird sie rebellieren. Sie braucht eine Aufgabe, etwas in dem sie sich verwirklichen kann, etwas das ihrem Herzenswunsch, íhren Sehnsüchten nach kommt. außer du nimmst sie ihr und zerbrichst sie um ihr dann einen Platz zu zuweisen. jedoch mehr wie Ja und Amen würdest du dann nicht mehr von ihr Hören. Tharisha ist auf das Wissen begierig das ich ihr vermitteln kann, sie ist darauf begierig unter mir sich beweisen zu dürfen...daher ist sie für meine Einflüsterungen offen und zugänglich. Darum kann ich sie auf die Palme treiben...."
Tha'Risha lief den Korridor entlang und die Treppe runter. Ihre Gedanken machten riesige Sprünge. Vieles ging ihr durch den Kopf. Und über allem schwebte die Frage nach dem Warum. Es war ein offenes Geheimnis, dass die Halbdrow mehr wollte. Seit sie im vergangenen Jahr in den Drachenlanden war, wollte sie nur noch eins : stärker werden, Macht besitzen. Charisstra sagte ihr einst, sie müsse unter den Drow stets doppelt so gut sein, um als gleichwertig akzeptiert zu sein. Sie war so verdammt stolz darauf gewesen, als sie in den Unterreichen den Segen der Spinne bekommen hatte, sie, ihre Familie, ihr Land. Ja, sie hatte sich Ry'Kah gegenüber alles andere als richtig verhalten und Lloth hatte die Priesterin auserwählt, um das Reich zu führen. Aber wo war ihr Platz? An der Seite Ry'Kahs? Ja, gerne, sehr gerne. Im Aufenthaltsraum im Erdgeschoss ließ sie sich auf einen Sessel nieder und wenig später erfüllte der Duft nach würzigem Tabak den Raum. Sie hasste es, fühlte sich als Spielball der Götter oder Dämonen oder was auch immer. Sie war wütend, auch Lloth, auf Ry'Kah, auf sich, auf im Moment alles und jeden.
Ry'Kah seufzte und nickte. "Du weisst genau, dass ich sie Dir nicht geben kann, genauso, wie Du sie IHR nicht nehmen kannst. Tha'Risha allein muss ihren Weg finden. Sie hat von der Göttin durch Selvetarm einen herben Dämpfer erhlaten - und SIE prüft auch mich immer wieder aufs Neue. Genauso wie Deine Götter Dich prüfen ... oder in Versuchung führen; Dir Wege aufzeigen - aber entscheiden, welchen Du gehst, musst Du ganz allein. So wie ich." Die Hohepriesterin hob den Kopf. So absurd das klang und sich anfühlte - irgendwie war Yaru etwas wie eine verwandte Seele. So verschieden die beiden Frauen waren - so klar ging jede ihren Weg.
Nun das habe ich eben gesagt, doch scheinbar hast weder Du noch sie mir zugehört. Lloth würde euch beide Töten wenn ThaRisha in meine Lehre geht. Sie weil sie ihren Weg verlässt und dich, weil du es zugelassen hast." sie blickte weiter nach draußen.
"Ich habe Dich sehr wohl verstanden, meine Liebe... ich wünschte nur, Tha'Risha würde es verstehen. Eine gebrochene Xas-sagerin an meiner Seite wäre eine Pharce und das will ich nicht." Sie schüttelte sich und stand auf.
Dass die Tür noch offen stand, ignorierte Ry'Kah. Wie gut waren Tha'Rishas Ohren?
Die Hohepriesterin trat zu der Chaos-Hexe ans Fenster. "Hast Du eine Idee?" Sie sah Yaru an.
Was war nur geschehen? Tha'Risha grübelte ernsthaft. Sie ließ das Gespräch in Gedanken Revue passieren. Irgendwas kam ihr seltsam vor, aber sie kam nicht drauf. Sie hatte Yaru in schon so manchen Situationen kennengelernt, aber so sanft, fast liebevoll - das war selbst für sie neu. Sie wirkte weniger verbissen, wie gewohnt.
Yaru dachte nach. Sie wog ihre Möglichkeiten ab. Dann, nach einem Moment des Schweigens, ließ sie den Kopf leicht sinken, bevor sie zu RyKah kurz blickte um dann wieder aus dem Fenster zu sehen. "vieleicht kann ich dir helfen... jedoch nicht ohne das vor allem Du in eine Schuld gerätst. ThaRisha würde selbst in eine Schuld geraten, wenn ich das tuhe was ich tuhen könnte, aber das wird sie selbst ausbaden müssen." sagte sie leise, senkte dabei leicht den Kopf in ihre Richtung. Es folgte ein Kurzer Blick worauf sie wieder durch das Fenster sah. "ich würde etwas tun, etwas, in erster Linie Euch zum Gefallen, weshalb ihr die Last der Schuld am schwersten Tragen würdet." sie war ganz ruhig, entspannt und weich in ihrem Worten, während Draußen sich etwas anbahnte. Etwas, das sie vor ein Paar Stunden in's laufen gebracht hatte und jetzt drang der gesang eines kleinen Triumpfes in ihre Ohren.
Eco war in die Stallungen gegangen. Er wollte die Sauerei weitestgehend beseitigen, welche die drei Tiere hinterließen wenn sie Frischfleisch bekamen. So wie immer trat er in ihren Stall und so wie immer begann er damit störende elemente abzulegen, unter anderem seine Schwerter, bevor er als erstes abgenagte Knochen zusammen trug. Nicht ahnend das diesesmal etwas anderst laufen würde. Er legte die Knochen in einen Karren welcher da stand. schäppernd krachten sie auf die Ladefläche, während der Weiße die beiden anderen in eine Ecke getrieben hatte. Sie standen dort zu dritt in Reih und Glied und beobachteten ihn. Das taten sie öfters, nur das hinter ihren Schädeln ein Plan zu wachsen begann. Wäre er der Sprache dieser Tiere mächtig, würde er hören was sie zueinander sagten.
Der Weiße: "den meinte sie." der Braune: "nicht den anderen?" Der weiße biss nach ihm: "Nein! den meint sie." Der Schwarze: "warum den? das ist doch ein Wicht?" der Weiße: "der hat sie beleidigt und versucht zu töten und.." der Schwarze: "warum? der da wäre nie zu ihr durchgedrungen das ist doch noch ein Kind.... Dumm wie Stroh, schau er hat den Knochen schon wieder fallen lassen...."
ein kurzes, gelächterartiges Wiehern war zu höhren....
der Schwarze: "der ist doch wirklich keine Bedrohung! ..der andere! nehmen wir den anderen!" Der weiße biss nach dem Schwarzen: "Nein! der Befehl lautet er soll es sein!.. er ist sein Knappe." der Weiße trat einen Schritt vor und sah Eco nach. "Er beschützt seinen Knappen und schickt ihn dazu aus ihr nachzustellen und sie auszuspionieren.... er will sie durch ihn dazu zwingen sich mit ihm zu beschäftigen! Du!" Der kopf des Weißen wirbelte zu dem Braunen herum. "Du wirst ihn töten! er ist dein Reiter...." er ging einmal im Kreis und biss dem Braunen dann in den Hintern. "na los!" der Braune: "nein ich will nicht! er ist mein Herr und ich töte meinen Herrn nicht!"
Das markerschütterne queeken was nun kurz aus dem Stall kam zerriss kurzfristig die Stille und dieses geräusch hörte Yaru und ließ sie innerlich lächeln und genießend die Augen schließen.
der Weiße trieb ihm seine Klaue vorne in die Seite: "du wirst!"
Der Braune hatte dem Weißen gegenüber keine Changse, er war ihm nicht gewachsen, selbst noch jung und unerfahren. mit geduckten Rücken ordnete er sich wie ein Geprügelter Hund dem Weißen unter. Eco war inzwischen herbeigetreten und wollte den Weißen dazu ermahnen sein Tier gefälligst in Ruhe zu lassen. Er hatte keine Ahnung was nun kommen würde. Der Blick und der darin gemeißelte Befehl des Weißen war klar und deutlich. Der Braune musste gehorchen und so ließ er Eco an sich herantreten und mit einem lezten Blick zum Weißen stieg er empor und trieb Eco die Sichelklaue in den Leib. Mit einem Biss in das Genick, welcher ihm die Tränen vor seelischem Schmerz und Trauer in die Augen trieb, tötete er Eco, dessen lezte Laute ein gellender Hilfeschrei war.
Ein Hilfeschrei, welcher nicht überhört wurde!
Der Braune ließ von ihm ab und zog sich mit eingezogenem Schwanz in eine Ecke zurück, wo er den Kopf hängen ließ. Unter den Augen des Weißen, wecher stolz erhobenen Kopfes ihm zunickte verkroch er sich und hielt sich Abseitz von dem Weißen und dem Schwarzen. Der Weiße hingegen tappte zu ihm herüber und rückte sein Eisenhalfter zurecht.
"Gut gemacht Junge! gut gemacht! schäm dich nicht weiter... Yaru wird dich dafür belohnen, du wirst sehen." Aufmunternd stupste er ihn an und suchte sich dann ein bequemes Plätzchen um sich abzulegen. Der Schwarze machte sich an dem Karren zu schaffen und knabberte an einem der Knochen herum welche darin lagen. Er brach einen auf und fischte das Mark heraus, bevor er mit lauten schäppern die ganze Karre wieder umwarf.
Der weiße beobachtete ihn. "DU! Öfne die Türe, mach ein wenig Wirbel da draußen! Aber töte niemanden! ist das klar...." Er blickte ihn scharf an, weil der Schwarze nicht reagierte. "Ich warne Dich!" sagte der weiße und unterstrich die Warnung mit einem gellenden quetschen. Der Schwarze verzog die weichen Nüstern und schickte sich an die Tür zur seite zu schieben. "darf ich den anderen Töten!" die Antwort war ein um ein vielfaches lauteres gellendes Quetschen. "NEIN!" nach einer kurzen secunde de Schweigens meinte der Weiße: "von mir aus knabbere ihn an, aber das ist auch alles! HÖRST DU!" der Schwarze nickte stolz und schob die Türe auf, so das er in's Freie kam. "Und du kleiner bleibst an meiner Seite!" befahl der Weiße dem Braunen.
Draußen vor den Stallungen stand nun der Schwarze. über seine Kruppe lag noch immer die Decke. Sie hing an einem Gurt um seinen Bauch. Die Vorderläufe von ihm waren Blutig. Die Sichelklaue zuckte nervös und sein stechender Blick suchte nach etwas zum Spielen. Sein Maul, mit dem unterhalb der Nüstern hervorblizenden Schnabel war bis zur Stirne mit Blut von der Kuh bedeckt. Im Grunde sah er aus wie ein Wolf welcher sich nach der Jagt noch nicht gesäubert hatte. Wie mit einem Fingerspiel ließ er die drei Klauen der linken Vorderhand auf den Festen Untergrund auftrommeln. Sein Schwanz spielte Kampflustig hin und her. Wie ein Löwe reckte er sich und riss gähnend sein Maul auf. Dann schmatzte er und beobachtete Den Tumult um ihn herum.